Leutnant Brunnträger
Klein-Steinheims erster Träger des Eiserner Kreuz 1. Klasse

Bayrischer Militär-Verdienst-Orden 4. Klasse

Oesterr. Militärverdienstkreuz

Eisernes Kreuz 1. Klasse

Am 28.11.1916 erschien nachfolgender Artikel im Steinheimer Anzeiger!

Eisernes Kreuz 2. Klasse

Hessische Tapferkeitsmedaille

Im Jahre 1918 brachte der Steinheimer Anzeiger einen weiteren Bericht über Leutnant Brunnträger. Der Bericht stammte von dem Kriegsberichtserstatter Viktor Orich. Dieser berichtete am 17. Nov. 1916 für die Temesvárer Zeitung über die Kämpfe um Orsova am 1. Nov. und über die Taten des Leutnant Brunnträger während der Kämpfe.
Interessant dabei ist, daß er den Steinheimer Leutnant einen waschechten Bayern nennt und daß Bayern Orsova zurückerobert hätten. Orsova wurde jedoch, nach meinen Recherchen, nicht von Bayerischen Einheiten befreit. Es wäre deshalb noch zuklären bei welcher Einheit Leutnant Brunnträger, in dieser Zeit, Kompanieführer war. In der Regimentsgeschichte der Aschaffenburger Jäger wird ein Leutnant Brunnträger wärend den Kämpfen um den Col di Lana in den Dolomiten im Jahre 1915 kurz erwähnt. Jedoch gibt es keinen Hinweis auf die Zurückeroberung Orsovas.

 Bericht im Steinheimer Anzeiger vom 1. Juni 1918

Klein-Steinheim, 1. Juni
Die „Temesvárer Zeitung“ –
(
Temesvar ist Königl. Freistadt und Hauptstadt des ungarischen Komitats Temes) bringt in ihrer Nr. vom 17. Novbr. 1916 folgenden Orginalbericht ihres Kriegsberichts- erstatters Viktor Orich. Der Artikel steht in gesperrtem Fettdruck an der Spitze des Blattes, datiert vom 14. November und lautet

                  Leutnant Brunnträger                               Im Schützengraben von Orsova

Nach einer schlaflos verbrachten Nacht in Orsova wurde mir vom Kommando zu Wissen gegeben, daß ich – meinem unterbreiteten Wunsche gemäß – im Laufe des heutigen Vormittags im äußersten Schützengraben an der Peripherie der Stadt, von den Kommandeurs erwartet werde. Um 11 Uhr Vormittags suchte mich im Hotel zum „Goldenen Hirsch“ der bayrische Leutnant Brunnträger auf, dem ich am Abend vorher bei einem Kommando vorgestellt wurde. Leutnant Franz Brunnträger! Ihr Orsovaer, merkt euch diesen Namen, denn Leutnant Brunnträger hat – wie mir schon am gestrigen Abend sein allverehrter Bataillonskommandeur B. sagte – überaus  großen Anteil an der Zurückeroberung von Orsova. Er ist ein Held, ein wackerer deutscher Held, der den dreitägigen Straßenkampf um Orsova an der Spitze seiner Leute führte und die Rumänen mit der hellen Geistesgegenwart und der unerschütterlichen Heldenmütigkeit eines „waschechten“ Bayers, vor allem aber seiner hiebsicheren Faust bekannt machte.
Leutnant Brunnträger stürmte Samstag, den 11. d. M., gegen Orsova. Bis 8 Uhr vormittags warf er sich mit seinen Leuten über die Straßenbarrikade zuerst zirka 200 Meter weit von der Schiffswerfte, dann bis zur Kirche und schließlich um 8 Uhr bis zur Bierbrauerei, auf dem Ostausgang der Gemeinde.
Die Bierbrauerei liegt am Ende der im letzten Bericht bezeichneten Straße, welche in gerader Linie durch Orsova zur Csernabrücke und zum Bahnhof führt. Der Gebäudekomplex der Brauerei ist mit einer zirka zwei Meter hohen Mauer umgeben. Die Rumänen verbarrikadierten sich hinter der Mauer und die Unserigen suchten in den gegenüberliegenden Häusern Deckung.
Leutnant Brunnträger geleitet mich heute zur Brauerei und ich kann den Schauplatz heftigster Kämpfe genau betrachten. Hier tobte Samstag und Sonntag den ganzen Tag über der entsetzlichste Kampf. Die Mauerwand und die einzelnen Bauobjekte wurden von unserer Artillerie arg mitgenommen. Die Bayern stürmten dreimal gegen die Mauerwand. Die Rumänen schossen wütend aus allen Nischen und Fenster, mit Maschinengewehren und sonstigen Feuerwaffen und als unsere verbündeten Helden auf die Mauer

sprangen, wurden sie von innen mit Gewehrkolben und Handgranaten zurückgeschlagen. Die Deutschen ließen sichs aber nicht lange gefallen. Die Rumänen sollten für ihre Hartnäckigkeit schwer büßen. Als es den Deutschen gelang, in den Mauerzaun eine Bresche zu schlagen, sprangen die Bayern auch schon in den Hof hinein. Dann wurden die Rumänen vom Hofe aus, aber auch von der Gasse her aus den Kellern der Bierbrauerei geschlagen. Die rumänischen Leichen und Verwundeten bedeckten den Hof und die Straßen ringsum der Bierbrauerei, nur wenigen gelang es, über die Cserna zu flüchten. Der Wiederstand der Rumänen war gebrochen und Montag früh 8 Uhr konnte Leutnant Brunnträger seinem Kommandeurs die frohe Nachricht melden: Orsova ist vom Feinde gesäubert. --
 
Wir gehen nach anderen Richtungen. Leutnant Brunnträger und ein ungarischer Leutnant namens Bonyhay führen mich in den Schützengraben. Hier ist es doch nicht so unheimlich, wie dort draußen an der Straßenecke, wo einem der am Allion liegende rumänische Artillerist in den Magen hinein zu sehen vermag. Von hier aus überblicke ich die vor mir befindliche feindliche Front. Die Csernabrücke liegt in Rumänien. Der Allion ist stark befestigt. Von dem Rauchqualm aus der Richtung der Orsovaer Petroleumraffinerie ist nichts mehr zu sehen. Die Raffinerie wurde gestern, Montag, kutz nach Mittag in Brand geschossen. Wie es scheint, ist ein Gebäude der Fabrik vollständig abgebrannt.
Leutnant Bonyhay  schreibt mir zum Andenken des Zusammentreffens im Schützengraben einige Worte in mein Kriegstagebuch. Dann empfehlen wir uns. Ich sehe mir nochmals den jungen schwarzen Leutnant Brunnträger mit seinen klugen Augen an. An seiner Brust prangten die Bänder des Eisernen Kreuzes 2. Kl., der Hessischen Tapferkeitsmedaille, des Oesterreichischen Militärverdienstkreuzes 3. Kl. Mit der Kriegsdekoration und des Bayer. Militärverdienstordens 4. Kl. An der linken Brustseite bemerkte ich erst jetzt das Eiserne Kreuz 1. Klasse.
„Das haben Sie gestern noch nicht gehabt“, sagte ich.
Die Wangen des wackeren Helden färbten sich rot und er spricht ganz verlegen: „Nein. Ich habe es erst heute früh bekommen. Der Höchstkommandierende hat mich und noch fünf Mann meiner Kompanie heute früh ausgezeichnet.“
Er war glücklich, dass ich es bemerkte, ich war stolz, daß ich ihm die Hand drücken durfte.  Dem Helden von Orsova, dem schönen, kleinen deutschen Leutnant aus Klein-Steinheim bei Hanau.
                                            
                                                            Viktor Orich