Steinheimer bei der Marine

Im Allgemeinen sind die Klein- und Groß-Steinheimer ja als Landratten bekannt. Doch während des WK1 verschlug es einige von ihnen auch auf  die See. Namentlich bekannt sind folgende Bürger:Karl Keffel und Ludwig Hochreuter aus Groß-Steinheim sowie  Heinrich Heuser, Lothar Kuschke, Josef Rüttinger und Jakob Massoth aus Klein-Steinheim. Außer Jakob Massoth sind alle wieder heil, von ihren Schiffen, in die Heimat zurückgekehrt.

Groß-Steinheimer

Karl Keffel - SMS Goeben

Keffel Karl aus Groß-Steinheim diente auf einem der berühmtesten Schiffe des Ersten Weltkrieges. Er war Ober- heizer auf der SMS  Goeben und erwarb sich auf ihr den “Türkischen Eisernen Halbmond”.

Die SMS Goeben hatte eine bewegte Geschichte hinter sich. Sie lief am 28. März 1911 auf der Werft von Blohm & Voss vom Stapel  und zählte zur Klasse der Großen Kreuzer. 1912 war sie das Flaggschiff der kaiserlichen Flotte im Mittelmeer. Die Mittelmeeerdivision bestand aus der SMS Goeben und dem kleinen Kreuzer SMS Breslau. Das Geschwader befand sich  bei der Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbienin der Adria. Konteradmiral Wilhelm Souchon beschloss mit seinem Geschwader sofort die Adria mit Ziel westliches Mittelmeer zu verlassen. Nach dem Kriegsausbruch zwischen  Deutschland und Frankreich am 3. August 1914 beschoss das Geschwader die Häfen von Bone und Philippeville in Algerien. Um nun der britischen Mittelmehrflotte zu entkommen, marschierte das Geschwader zur Überraschung der Briten,  nach Osten. Am 10. August 1914 trafen die Goeben und Breslau vor den Dardanellen ein und ankerten dort. Es begannen nun diplomatische Verhandlungen zwischen Deutschland und der Türkei die damit endeten, daß die beiden Schiffe  am 16. August 1914 in die osmanische Marine übernommen wurden. Aus der SMS Goeben wurde die Yavuz Sultan Selim und aus der SMS Breslau die Midilli. Die deutsche Besatzung verblieb jedoch weiterhin auf ihren Schiffen und trug  als neue Kopfbedeckung nun den Fes.
Die beiden Schiffe, als neues Rückgrat der osmanischen Flotte, wurden nun im Schwarzen Meer gegen die Russische Flotte eingesetzt. Am 29. Oktober 1914 beschoßen die beiden Schiffe die  Häfen von Sewastopol und Odessa. Dieser kriegerische Akt veranlaßte Russland dazu der Türkei den Krieg zu erklären. Bis zum ausscheiden Russlands aus dem Krieg war die Yavuz Sultan Selim (Goeben) in einige Gefechte verwickelt,  bei denen sie mehrmals beschädigt wurde. Sie konnte jedoch immer wieder in ihren Heimathafen in der Steniabucht zurückkehren. Bei einem Durchbruchsversuch ins Mittelmeer am 20. Januar 1918 kam es in der Nähe der Insel Imbros zu  einem Gefecht mit britischen Einheiten. Es gelang dabei zwei Britische Schiffe zu versenken, aber unglücklicherweise gerieten die Yavuz Sultan Selim (Goeben) und die Midilli (Breslau) in ein Minenfeld. Während die Breslau  sofort sank erreichte die Goeben, trotz dreier Minentreffer, am 26. Januar 1918 wieder Konstantinopel. Das Schiff, bedingt durch die Schäden, erlebte das Kriegsende fahruntüchtig im Hafen.

Karl Keffel, Oberheizer auf der Goeben, erhielt am02.03.1918 den Türkischen Eisernen Halbmond. Da die Goeben zu diesem Zeitpunkt schon seit dem 26.02.1918 beschädigt und fahruntüchtig im Hafen  von Konstantinopel lag, gehe ich davon aus, daß er nun wieder zur deutsche Marine zurückkehrte und die Auszeichnung für seine Dienstzeit in der osmanischen Marine erhielt.

Name: S.M.S. Goeben
Stapellauf: 28.03.1911 in
Hamburg (Blohm & Voss)
Schiffsklasse: Moltke-Klasse
Besatzung: ca. 1013 Mann
Maße: Länge: 186 m, Breite: 29,5 m, Tiefgang: 8,2 m
Geschwindigkeit: 28,4 kn
Schiffsmaschine: 86 000 PS, 2 Satz Parsonsturbinen in 3 Maschinenräumen, 24 Marine-Kessel
Bewaffnung: 10 x 28 cm Schnellfeuerkanonen, 12 x 15 cm Schnellfeuerkanonen, 12 x 8,8 cm Schnellfeuerkanonen, Torpedos, Flak

Ludwig Hochreuter - SMS Ostfriesland

Ludwig Hochreuter, sein Schiff war die SMS Ostfriesland auf der er als Matrose fuhr. Am 11.05.1918 wurde er zum Obermatrosen befördert.
Die SMS Ostfriesland zählte zur Helgoland-Klassse und lief am 30.9.1909 in Wilhelmhafen vom Stapel. Ihre Schwesternschiffe waren die Helgoland, Oldenburg und Thüringen. Nach diversen Einsätzen in der Ost- und Nordsee, nahm sie  auch an der Skagerrak-Schlacht teil. In der Schlacht gelang es der Ostfriesland den britischen Panzerkreuzer Defence schwer zu beschädigen und einen Zerstörer in Brand zu schießen. Bei der Schlacht selbst blieb sie  unbeschädigt, aber auf dem Rückmarsch lief sie unglücklicher auf eine Mine. Trotz des Schadens erreichte die Ostfriesland wieder ihren Heimathafen.

Name: SMS Ostfriesland
Schiffsklasse: Helgoland-Klasse
Besatzung: ca. 1100 Mann
Maße: Länge: 166,5 m , Breite: 28,5 m, Tiefgang: 9 m
Geschwindigkeit: 21,3 kn
Maschinenleistung: 35 500 PS, 3 Kolbenmaschinen
Bewaffnung: 12 Schnellfeuerkanonen 30,5 cm, 14 Schnellfeuerkanonen 8,8 cm, Flak, Torpedos

Klein-Steinheimer

Lothar Kuschke

Lothar Kuschke, geb. 9.2.1885, war der Sohn von Wilhelm Kuschke, welcher in Klein-Steinheim das Restaurant gleichen Namens betrieb. (siehe  auch Veranstaltungen) Er stand von 1903 bis zum Ende des Ersten Weltkrieges in Diensten der Kaiserlichen Kriegsmarine und brachte es als Ingenieur bis in den Marinestab.  Im Jahre 1915 aber, muß er auf dem U-Boot U 22 gedient haben, denn in diesem Jahr erhielt er als 1. Maschinen Ing. der U 22 am 25.02. erst das EK2 und am 02.09. gleichen Jahres das EK1. Glücklicherweise überlebte er die Zeit als Maschinen Ing. auf dem U-Boot, denn die Verluste der U-Bootfahrer waren überaus hoch.
Die U 22 gehörte nicht zu den U-Booten die es auf eine hohe Versenkrate gebracht hatte. Leider erlangte sie eine traurige Berühmtheit dadurch, daß sie am 21.01.1915 irrtümlich die S.M. U 7 versenkte. Keiner der Besatzung-  mitglieder der U 7 überlebte dieses Unglück.
Lothar Kuschke wechselte nach seiner U-Bootzeit in den Marinestab, es ist jedoch nicht bekannt in welchem Jahr dies war. Nach Kriegsende beendete er seine Militärzeit und wurde  Technischer Betriebdirektor der Mittel- deutschen Hartstein Industrie. Im Juni 1927 verunglückte Lothar Kuschke  tödlich während einer Geländebe- sichtigung eines Basaltbruches in der Nähe von Lauterbach.

Die U 22 versenkte im Handelskrieg insgesamt 44 Schiffe

Name: U 22
 Stapellauf: 6.3.1913, Indienststellung: 25. 11.1913 Werft : Kaiserliche Werft,  Danzig
Type: Zweihüllenboot
Besatzung: 35 Mann
Maße: Länge: 64,15 m, Durchmesser: 6,10 m
Geschwindigkeit: Diesel-15,4 kn, Elektro-9,5 kn
Schiffsmaschinen: Diesel-1700 PS, Elektro-1200 PS
Bewaffnung: 6 Torpedos (2 BTR, 2 HTR),                                          1x 8,8 cm Bordkanone
Maximale Tiefe: 50 m
Verbleib: ausgeliefert am 1.12.1918 an England

Heinrich Heuser

Heinrich Heuser fuhr als Torpedo Matrose und erhielt am 19.05.1917 das EK2. Es ist nicht bekannt auf welchem Schiff er diente.

Josef Rüttinger

Josef Rüttinger fuhr erst als Heizer zur See und wurde dann am 27.07.1918 zum Oberheizer befördert. Er erhielt am 27.07.1918 das EK2. Auch  bei ihm ist nicht bekannt auf welchem Schiff er fuhr.

Jakob Massoth

Jakob Massoth ist der einzige mir bekannte Marineangehörige welcher leider den Ersten Weltkrieg nicht überlebt hat. Auch bei ihm ist nicht  bekannt auf welchem Schiff er fuhr. Es besteht auch die Möglichkeit daß er vielleicht von der Marine ins Heer wechselte. Bekannt ist folgendes: Verleihung des EKII’s am 09.11.1916, Beförderung vom Obermatrose zum Unteroffizier  am 07.05.1918 und gefallen am 21.10.18 in Hooglede (Belgien).

Quellen: Steinheimer Jahrbuch für Geschichte und Kultur,
             www.u-boot-net.de