Unterhaltungsabende und Konzerte während des
ERSTEN WELTKRIEGES

In Steinheim wurden, ebenso wie in auch anderen Städten, schon kurz nach Beginn des ERSTEN WELTKRIEGES diverse Unterhaltungsabende oder auch Wohltätigkeits-Konzerte abgehalten. Diese dienten einerseitz der Unterhaltung der Verwundeten des Reservelazarettes in Groß Steinheim, andererseitz aber zwang die wirt-
schaftliche Lage schon sehr früh dazu, bedürftige Familien und im Felde stehende Vereinsmitglieder von Steinheimer Vereinen zu unterstützen.
Veranstaltet wurden die Unterhaltungsabende überwiegend durch hiesige Vereine, jedoch gaben auch ein-
quartierte Mannschaften Konzerte, wie z. B. das LIR 81.

Steinheimer Anzeiger 17.05.1915

Steinheimer Anzeiger 15.10.1916

Steinheimer Beobachter 10.11.1917

Steinheimer Beobachter 13.05.1916

Steinheimer Beobachter 04.08.1917

Steinheimer Anzeiger 07.11.1918

Die Unterhaltungsabende und Konzerte fanden in Klein Steinheim überwiegend im Herty’schen oder im Stürmerschen Saale (Restaurant Kuschke) statt, in Groß Steinheim meistens im Darmstädter Hof.

Veranstaltungsorte

Der Herty’sche Saal - Klein-Steinheim

Erbaut wurde der Saal nebst Wirtschaft von Michael Herty im Jahre 1907. Adam Herty. sein jüngerer Bruder, eröffnete darin 1912 ein Lichtspielhaus. Nachdem dieser 1916 vor Verdun gefallen war, stellte Michael Herty den Kinobetrieb jedoch wieder ein. Nach Kriegsende 1918 diente der Saal den rückkehrenden Mannschaften als Unterkunft, sowie den Hanauer Garnisonen als Veranstaltungsort für ihre Abschiedsfeiern.

Der Herty’sche Saal um ca. 1908

Der Stürmersche Saal - Klein-Steinheim

Der Stürmersche Saal (Kirchstr. 4-6) ist im allgemeinen besser bekannt als Gasthaus Mainterrasse oder als Restaurant Kuschke. Erbaut auf dem Gelände des ehemaligen Fronhofes hatte man von hieraus einen sehr schönen Blick über die Wiesen auf den Main. Besitzer war seit 1893 Wilhelm Kuschke der das Anwesens von seinem Schwager Wilhelm Rousselle erwarb. Nach seinem Tod, 1911, führte seine Frau Auguste (Tochter von Jean Pierre II. Rouselle, Gründer des Rousselleschen Steinbruchunternehmens, später Mitteldeutsche Hartstein Industrie) das Anwesen weiter. Das Restaurant war jedoch in der Zeit des 1. Weltkrieges an Leo Stürmer verpachtet, dessen Sohn Otto an den Folgen einer im Felde zugezogenen Krankheit im Nov. 1917 verstarb. Der ehemalige Klein-
Steinheimer Bürgermeister Engelbert Adam erwarb im Jahre 1927/28, nach dem Tod von Auguste Kuschke, das gesamte Anwesen.

Gasthaus “Zum Darmstädter Hof” - Groß-Steinheim

Das Gasthaus “Zum Darmstädter Hof” befand sich in der heutigen Albrecht-Dürer-Straße. Hier fanden 1914/18 die meisten Groß-Steinheimer Wohltätigkeits-Veranstaltungen statt, auch waren hier später etliche Kriegs- gefangene untergebracht. In den 90er Jahren mußte der Darmstädter Hof jedoch einer neuen Wohnanlage weichen.

Ansicht um 1930